– Know it but don’t think it –
Vor vielen Jahren – es müssten jetzt über 30 Jahre sein – hörte ich diesen Spruch zum ersten Mal. Ich fragte mich, wie das wohl funktionieren soll? Doch der Satz ließ mich einfach nicht los. Er begleitet mich seitdem und er findet Anwendung in meinem Leben.
Wie geht man mit dem Unglück um, das im eigenen Umfeld und in der Welt passieren? Wie stumpft man nicht ab? Wie bleibt man optimistisch? Wie bleibt man präsent und verdrängt nicht?
Viele Menschen werden ärgerlich, pessimistisch oder schwermütig und verlieren ihre Beschwingtheit, leichtfüßig durch ihr Leben zu gehen. Leider bleibt es oft nicht bei dieser Haltung, sondern sie wird stärker. Zu Ärger gesellt sich Pessimismus oder Schwermut oder eine andere Kombination der Gefühle wird gelebt. Dann gibt es die anderen, die gar nichts mehr hören wollen und verdrängen. Sie kriegen die Unglücke mit, aber schieben sie meist erfolgreich zur Seite. Damit sind sie nur nicht weg.
Am Ende schadet man seinem Seelen- und Geisteszustand und dann reagiert der Körper gerne mit Schmerzen, Krankheit o. ä.
Das Praktizieren der Haltung „Wisse davon, aber denke nicht darüber nach“ ist eine Disziplin, bei der man sich selber aus dem Gedankenprozessen herausholt. Man kann es zum Beispiel für 3 Monate als Tagessatz nehmen, wo man am Ende des Tages seine Gedanken aufräumt.
Sich liebevoll bewusst zu machen, dass man selber auf den Zug der Gedanken aufgesprungen ist, hilft. Es ist kein anderer, der das in einem macht.
Ein Kernwort hier ist „liebevoll“. Keiner wird es schaffen, direkt mit dem „negativen“ Gedankenprozessen aufzuhören. Sich dafür noch einen auf dem Kopf zu geben, ist äußerst unproduktiv. Lieber liebevoll sein.
Die Haltung „Wisse davon, aber denke nicht darüber nach“ bedeute nicht, von Geschehnissen nicht mehr berührt zu werden. Ich werde traurig und weine, wenn ich über die Toten im Mittelmeer lese, die auf ihrer Flucht gestorben sind. Ich werde ärgerlich, wenn mir Ignoranz begegnet. Ich fühle diese Gefühle und lasse sie wieder los.
Zum Abschluss sage ich noch: ich lebe die Haltung „Wisse davon, aber denke nicht darüber nach“, aber „durch“ bin ich damit nicht. Ich glaube, diese Haltung werde ich mein Leben lang lernend praktizieren.